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Der Focusing-Blog

Es ist immer jemand drin

Es ist immer jemand drin

 Ein Beitrag von Kerstin Liesching

Es ist immer jemand drin (Eugene Gendlin)

Daran gibt es für mich keinerlei Zweifel.

Was für mich focusingorientiertes Arbeiten in meiner Praxis bedeutet, könnte - als Wunsch formuliert - in etwa so auf den Punkt gebracht werden:
Ich möchte wie eine Hebamme sein, die das, was noch nie dagewesen ist, sich noch nie zeigen konnte und jetzt geboren werden möchte, dabei begleitet auf dem Weg in die Welt zu kommen.
Und - um bei dem Bild der Hebamme zu bleiben- habe ich meinen „Koffer“ dabei mit den entsprechenden „Werkzeugen“, auf die ich zurückgreifen kann, wenn es die Situation erfordert.

Doch ein Koffer mit Werkzeugen ohne Hebamme nützt gar nichts. – Auf den „Koffer“ komme ich noch einmal genauer zurück.

Darum ist es erst einmal das Wichtigste für eine Geburt, dass die Hebamme DA ist.
Präsent und den Raum haltend.
Dass dies ein Wert an sich ist, der wesentlich ist als Basis in einer Behandlung, das habe ich erst durch Focusing anerkannt.
DA sein war mir immer selbstverständlich, keine Frage, aber dass es genug sein kann und ich nicht aktivistisch etwas machen muss …, dies Begreifen war ungeheuer entlastend.
Es genügt zunächst tatsächlich. Es gibt Freiraum. Es gibt mir Zeit, mich zu fühlen und auch bei mir zu bleiben.
Wenn ich DA bin, kann jemand kommen. In Freiheit und ohne Druck.
Dafür ist meine erste Voraussetzung, dass ich bemerke, wenn ich in einer Behandlung meinen Freiraum verliere.
Sobald ich es dann bemerkt habe, lehne ich mich innerlich und äußerlich ein wenig zurück, lenke meine Aufmerksamkeit auf mein Körperempfinden und versuche weniger krampfhaft zuzuhören. Bin ich in diesem Freiraum zurück, gelingt es mir im Hören, Spüren und Sehen, „Feuerwehrworte" oder kleine Nuancen im allgemeinen Ausdruck der Klient*innen“ zu erhaschen und es steigen Ideen aus meinem „Koffer“ in mir auf. Ich habe die Resonanz mit den Klient*innen wiedergefunden. Der Felt Sense im Kleinen und zum Ganzen wird für beide, Therapeutin und Klient*in wieder möglich. So entwickelt sich meistens ein schönes und selbstverständlich fließendes Tun.

Das möchte ich vorausschicken, bevor ich mich nun den Werkzeugen im Koffer zuwende.
Jenen, die ich schon hatte und jenen, die durch Focusing neu dazugekommen sind.

 

Mein „Handwerkskoffer“:
Er hat sich seit Beginn meiner Ausbildung 1980 kontinuierlich gefüllt.
Was dieser beinhalte, wurde ich gefragt:

Schlaffhorst-Andersen: 5 Regenerationswege, Gedichte, Lieder, Atemschriftzeichen, anatomisches Wissen
Feldenkrais: Übungen und wache Hände, Bewegungsbewusstheit
Focusing: Listening, markieren, guiding, Modalitäten, refilling, respond, vertieftes Wissen um psychologische Inhalte
Diverses: weitere sich auch überschneidende Übungen aus dem Improvisationstheater, Tanz, Clownereien, Lebenserfahrung.

Ein bunt gefüllter „Koffer“, ich staune selbst. Er begleitet mich, doch was davon ich wann und wie es gebrauche, entscheidet der Moment. Das ist die Herausforderung und Kunst in der Therapie.

 

Schlaffhorst-Andersen

Ich bin ausgebildete Atem-, Sprech- und Stimmlehrerin nach Schlaffhorst – Andersen und habe als 2te Ausbildung noch die Feldenkraismethode erlernt. (Der Kürze halber möchte ich in diesem Text nur näher auf die Schlaffhorst – Andersen Arbeit in Verbindung mit Focusing eingehen.)
In meine Praxis kommen Klient*innen zumeist mit einer ärztlichen Verordnung über Stimm-, Sprech- und Sprachtherapie. Es sind Menschen (oft in Sprechberufen wie Lehrer*innen, Pastor*innen, Sozialpädagog*innen, junge Mütter…) deren Stimmen den im Alltag geforderten Belastungen nicht mehr gewachsen sind. Meist verbunden mit tiefer Erschöpfung, Überbelastung und diversen anderen psychosomatischen Beschwerden. So ist meine Aufgabe gemeinsam mit den Klient*innen wieder eine Balance zu finden für ihr momentan aus dem Gleichgewicht gekommenes Leben. Welches sich - der Auslösemoment eine Stimmtherapeutin aufzusuchen - in ihren Atem- und Stimmbeschwerden spiegelt.
Häufig sind die Klient*innen parallel noch in psychotherapeutischer Behandlung oder nehmen mich als „Sprungbrett“ dorthin.
Manchen Menschen reicht mein Angebot, mit Stimme, Atmung, Bewegung und focusingorientierten Gesprächen zu arbeiten, jedoch aus, um aus der angesprochenen Dysbalance wieder herauszufinden.

Was beinhaltet das nun konkret und was ist die Arbeitsweise Schlaffhorst – Andersen??

Die Begründerinnen dieser Arbeitsweise, Clara Schlaffhorst und Hedwig Andersen, waren beide selbst erkrankt an Atem und Stimme. Clara Schlaffhorst studierte Gesang und Hedwig Andersen spielte Klavier. Aus diesem Leidensdruck heraus suchten sie nach neuen Wegen um gesund zu werden und weiterhin künstlerisch tätig zu sein zu können. - Sie übersetzten ca. 1900 ein Buch über Atmung und entwickelten es ausprobierend weiter. Zunächst an und mit sich selber und dann mit Schüler*innen. Sie erfassten intuitiv Zusammenhänge zwischen Atem, Stimme und Bewegung und erlebten, dass es immer den ganzen Menschen berührte und veränderte, wenn sie auf ihre neue ganzheitliche Art mit Menschen arbeiteten. Ihre ursprüngliche Absicht war ja gewesen, Künsten wie Singen und Sprechen wieder mehr Ausdruck zu verleihen. Doch aus Versehen hatten sie nebenbei einen therapeutischen Weg entdeckt, der den Menschen im Ganzen wieder zu mehr Gesundheit verhalf und ein möglicher Weg war, ihre Persönlichkeit zu entwickeln.

Wesentliches Merkmal ihrer Forschungen war das Respektieren und Einbeziehen der physiologischen Vorgänge unseres Organismus (von ihnen bezeichnet als „natürliche Gesetzmäßigkeiten des Organismus“) ins Leben und das daraus resultierende Verstehen, dass wir 1. von dieser Körperökonomie abhängig sind, diese aber 2. über Atem-, Stimm- und Bewegungsübungen beeinflussen können.

Ich zitiere im Folgenden einen Auszug aus einem 1926 von Clara Schlaffhorst gehalten Vortrag:
„Ehe wir es aber nicht lernen werden, unser menschliches Denken, Fühlen, Wollen mit dem Denken, Fühlen, Wollen der „Natur in uns“ in Einklang zu bringen, unser äußeres Tun mit dem inneren Leben und seiner Bewegung, die Außenseele mit der Innenseele, das mentale mit dem vitalen Leben zu verbinden, können wir unser „Selbst“ nie finden – so lange werden wir uns auch vergebens danach sehnen, „anders zu werden“.

So entwickelten sie die „5 Regenerationswege“. Diese beinhalten die Elemente Kreisen, Schwingen, Dreiteilig-rhythmische Bewegung, Atmen und Tönen. - Missachten wir diese Form des Körperwissens auf Dauer und beziehen es nicht in unser Leben mit ein, entsteht ein Ungleichgewicht in uns.
Wir werden verstimmt.

Ein Beispiel am „Regenerationsweg Atmen“
Der physiologische Atem ist ein dreiteiliges rhythmisches Geschehen.
Es wiederholt sich immer derselbe Wechsel zwischen
•             Ausatmung (1) Abspannung /Streckung der Zwerchfellmuskulatur/
•             Pause (2) Schwebezustand / „gelöster Habachtzustand“ in der Zwerchfellmuskulatur
•             unwillkürlichem Einatmen (3) Anspannung / Zusammenziehung der Zwerchfellmuskulatur.

Dieser Rhythmus der Atmung wirkt sich beruhigend und spannungsausgleichend auf unser vegetatives Nervensystem aus. Bin ich in meinem Rhythmus, bin ich in einem Eutonus.
Die Ausatmung (Expiration) ist die Phase, die ich aktiv gestalte in Form von Sprechen und Singen. - Ausatmen ist Sprechen /Singen.
Die Einatmung (Inspiration) im physiologischen Kontext des Sprechens und Singens sollte ein reflexhaftes Geschehen sein und bleiben.
Ich werde inspiriert.
Nicht: Ich inspiriere mich.

Die „Pause“,  - dieser Schwebezustand des Zwerchfelles in der Umkehr zwischen Aus- und Einatmung -  da sein zu lassen, ist die Voraussetzung, dass sich die Luft unwillkürlich ergänzen wird. – Dies geschehen zu lassen, ohne es zu beeinflussen, ist das Schwerste und Einfachste zugleich.
Um vorab in dem Zusammenhang häufig auftauchende Fragen zu beantworten: Selbstverständlich kann ich die Einatmung auch „machen“, mir die Luft holen, eine Pause vor der Einatmung machen, etc. Das sind wunderbare die Atmung anregende, vertiefende und belebende Übungen.
Ich spreche oben von der physiologischen Atmung.  Um einen belastbaren, resonanzreichen, flexiblen und authentischen Stimmklang zu erhalten, ist die physiologische Atmung die Basis.
Bei Schlaffhorst -Andersen arbeiten wir schwerpunktmäßig an der Verlängerung und Intensivierung der Ausatmung über Stimmklang und Sprachlaute. „Die Atmung wächst am Widerstand“ (Zitat Schl.-And.).

Im Alltagsgeschehen dagegen leben wir oft 2phasig. (Ein-aus-ein-aus-…). Zudem ist auch landläufig fast überall nur Ein- und Ausatmung bekannt.

Atmen wir nun anstelle eines Satzes oder Liedes einmal als einfaches „pffff“ oder ein tönendes „oo,aa,uu….“ aus.
Überziehe ich die damit verbundene Ausatmung, respektiere die Ausatmungsgrenze also nicht, dann beginne ich automatisch mit der Atemhilfsmuskulatur nachzupressen. Der Lösungsmoment „Pause“ geht verloren und aus dem Bedürfnis nach frischem Sauerstoff heraus schnappe ich im Anschluss nach frischer Einatmungsluft.
Wird dies ein Dauerverhalten, d.h. ich beziehe die physiologische Ausatmungsgrenze nicht mit in mein Tun ein, dann wird der Körper seine Missstimmung entsprechend ausdrücken (Erschöpfung, Heiserkeit, Verkrampfung, Magenbeschwerden, die Liste ist lang …).
Das Schöne daran ist, der Vorgang ist beeinflussbar, d.h. im „kleinen“ konkret und fühlbar veränderbar. Wir begleiten die Klient*innen auf ihrer Suche zu erspüren, wo die Ausatemgrenze ist, so dass die Pause erfolgen kann, die Voraussetzung ist für eine Inspiration (Einatmung).
Ein Thema, das sich auf körperlicher Ebene zeigt, weist immer auf eine Entsprechung in der Art und Weise, wie ich sonst mit mir bin und umgehe, hin.
Alleine diesen Zusammenhang zu bemerken ist für Klient*innen weiterführend und sie sind dem Geschehen nicht mehr so hilflos ausgeliefert.

 

Focusingmethodik

In der Therapie sind an dieser Stelle focusingorientierte Gespräche für mich ein unverzichtbarer Begleiter geworden. Abgesehen von dem, was durch die Übung aufgetaucht ist (Wohlgefühl, mehr Raum, innere Klarheit, kribbeln, Schmerzen, Entspannung, Vitalisierung, mehr „ich“ Bewusstheit ….), erfrage ich einen Felt Sense von dem Ganzen (z.B. eine unspezifische Sehnsucht, Trauer, Sorge, Bilder) Mit Hilfe von anschließendem Listening, Markieren, Guiding  zu diesem Felt Sense vertiefen und klären sich die Prozesse noch einmal wesentlich. Oder es tauchen Bilder, Gedanken etc. während der Übung auf, die Thema werden können für einen Prozess.

 

Focusinghaltung

„Mit Leib und Seele“ sprechen und singen und sein…
Im Laufe der Zeit merkte ich, dass mir nur alleine mit dem Konzept „Schlaffhorst -Andersen“ noch etwas fehlte. Ich hatte vor allem das Bedürfnis, die Prozesse noch tiefer und nachhaltiger begleiten zu können. (s.o.)

Das „Wie“ ich es tat, stimmte nicht, und häufig drehten meine Klient*innen und ich uns im Kreise.
Ich wollte lernen, so zuhören zu können, dass die Leute von selbst darauf kamen, was sie brauchten. Vorbild für diesen Wunsch war mir „Momo“ von Michael Ende. Was für eine Entlastung wäre das, wenn man diese Befähigung hätte … . Wenn es möglich wäre, den Ballast an Verantwortung für eine Therapie zurückzugeben und einfach nur zuzuhören. Es gab da diese selbstverständliche Erwartungshaltung von den Klient*innen und mir selbst an mich, dass ich als Therapeutin die Lösung für das Problem der Klient*innen wissen und finden muss.

Mit Focusing habe ich gefunden, was ich suchte. Die grundlegende Haltung und die Basis des DA-Seins tragen den therapeutischen Prozess. Klaus Renn drückt es in seinem Buch „Magische Momente, S.25“ so aus:
„Das körperliche Da-sein meint achtsames Wahrnehmen des gegenwärtigen Momentes mit all seinen situativen Facetten. Es umfasst das Hier -die Situation -und die zeitliche Bestimmung: das Jetzt. Es ist ein Verweilen mit dem eigenen Innern und mit dem Menschen, ohne etwas verändern zu wollen.“

Es ist meine Haltung in der Therapie, die sich verändert hat.
Grob unterschieden, kann ich es vielleicht so beschreiben, dass ich vor dem Wissen um die Focusinghaltung anleitender und direktiver unterrichtet habe. Weniger fragend. Weniger absichtslos.

Ich meinte, ich müsse die Lösungen für die entsprechende Problematik aus mir alleine heraus wissen. Weil ich doch die Therapeutin und diesbezüglich ausgebildet war.
Meine „Partner“ waren glücklicherweise damals schon meine Intuition, die Lebendigkeit und der vielseitige, ganzheitliche Ansatz der Regenerationswege nach Schlaffhorst-Andersen. Später kam der ganzheitliche Ansatz der Feldenkraispädagogik dazu. Getragen von meinem echten Interesse an den Menschen, die sich mir anvertrauten.

Zu der Focusinghaltung gehört für mich auch Mut, nicht zu wissen wie es weitergeht, darauf vertrauend, dass etwas geschieht.
Das auszuhalten ist nicht immer einfach. Doch es liegt Entlastung darin, dass ich es nicht wissen muss und kann. Ich gebe die Verantwortung für den Prozess ab und an die Klient*innen zurück.
Mit dem Körper zu arbeiten war mir nicht neu und selbstverständlich war mir auch, ihn in die Wahrnehmung mit einzubeziehen. Doch dass ich lernen kann, „die Seele“ zu fühlen, das hatte ich nicht erwartet.

Entscheidend ist für mich geworden, wie ich DA bin.
Ich brauche meinen Freiraum, damit ich nicht überschwemmt werde von dem, was mein Gegenüber mitbringt. - Dies „Überschwemmt werden“ bewirkt in mir, dass ich den Überblick verliere und beginne, hektisch Übungen anzubieten. Ich habe den Freiraum nicht mehr und bin auch nicht mehr absichtslos. In diese Struktur rutsche ich zurück. Der Unterschied zu früher liegt im Bemerken und dem Versuch es zu ändern, wenn es mir passiert.
Habe ich meinen Freiraum, bleibe ich in Resonanz mit mir und kann in Resonanz gehen mit der Klient*in. – Darüber taucht eine Idee auf, was für eine Übung aus dem Koffer ich der Klient*in anbiete. Ich lasse mich quasi inspirieren, auch in einem höheren Sinn.
Oder es taucht auch nichts auf und ich halte den (scheinbar) leeren Raum weiter, unwissend und mutig.

Focusing kreuzt für mich zusätzlich „die Seele“ in Form von Körperwissen in die Körperwahrnehmung mit ein. Was mich beschäftig, spüre ich irgendwo und -wie im Körper. Es antwortet auf die Angebote, die ich mit meinen Übungen mache, und vertieft sie.
Ein Felt Sense ist viel zarter und mehr, als nur einer psychischen Emotion Ausdruck zu geben. Diese stehen ähnlich wie das organisch-funktionale Spüren erst einmal für sich. Sie sind Teile des Ganzen.
Wird der aufgetauchte Felt Sense symbolisiert und anschließend an die Centerline zurück gegeben, entsteht wieder ein neuer und größerer Schritt zu dem Ganzen. Es ist die faszinierende Fortsetzungsordnung, die nachhaltige Veränderungen möglich macht.

Es ist immer - und war es, seit ich mit 23 Jahren begann als Therapeutin tätig zu sein - erstmal „nur“ ein Mensch mit seinen Eigenheiten, der da vor mir sitzt. Je nach Ausstrahlung löst er / sie natürlich eine entsprechende Resonanz in mir aus. Auf das bezogen waren meine persönlichen Prozesse während der Focusingausbildung stärkend und Klarheit schaffend. Zudem hatte ich von Hause aus die Sichtweise und den Spruch meines Vaters: „Jeder Jeck ist anders doll“ mitbekommen, ein Begleiter durch die Jahre. Manchmal Ersatz für mangelndes Wissen um beschreibende Begriffe.

Zur Veranschaulichung wie ich arbeite ein Beispiel:
Für eine Klientin, mit nicht belastbarer gepresst klingender Stimme, sowie chronischen Entzündungen überall im Körper, ist sprechen mit bedrückendem Engegefühl im Hals verbunden. Sie beschreibt es als „Stöpsel“, der ihr den Hals zudrückt. Sie bekommt wenig Luft.
 Der „Stöpsel“ lässt sich nicht herausstellen, also suchen wir einen guten Ort im Körper, von wo aus sie den „Stöpsel“ da sein lassen kann.
Das entlastet sie und der „Stöpsel“ öffnet sich ein wenig.
Nun biete ich ihr aus einem Impuls heraus kreisende Atemschriftzeichen in Verbindung mit einer selbstgewählten Silbe (Sprechen) auf dem Papier an und bemerke, dass Bewegungsschwung und Sprechimpuls nicht zusammen passen. Das entspricht nicht der Ökonomie des Organismus. Sie erlebt ihr Tun als sehr Anstrengung und „eckig“.
Wir wiederholen die kreisenden Bewegungen, aber probierend Varianten aus (kleiner? größer? Langsamer? Augen zu? …) und plötzlich ist es gefunden. Sprache und Schwung werden eine große organische Bewegung. Erstaunt bemerkt sie, dass der „Stöpsel“ verschwunden ist.
Nun bitte ich die Klientin innezuhalten und zu schauen, was sich für sie im Körper verändert hat.
Sie beschreibt es als leicht und fließend. Wir machen einen abschließenden Focusingprozess auf das Ganze bezogen. Sie fühlt sich gesamt orientierter, bekommt mehr Luft und die Stimme klingt klarer. Sie nimmt auch noch einmal den "Stöpsel" mit in das Fließen hinein und lässt ihn durch sich durch in den Boden sinken. Für jetzt ist er weg. Das ist erst einmal das Wichtigste für sie. Das sichern wir noch einmal.

Ich bin froh, dass ich diese Wege kenne und miteinander verbinden kann. Beide Wege befruchten sich gegenseitig und helfen dem „der drin ist“ dabei in die Welt zu kommen.

 

 

Kerstin Liesching


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